Die Heringsfischerei in Emden

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Heringslogger AE1 "G.M. Daneker" von der Emder Heringsfischerei AG in den 1950er Jahren (Quelle Foto: Stadtarchiv Emden)

Die Geschichte Heringsfischerei in Ostfriesland begann im Spätmittelalter, als sich die Heringsfischerei von der Ostsee in die Nordsee verlagerte. Dabei handelte es sich in erster Linie um Küstenfischerei. Küstenferne Fischerei wurde erstmals um 1550 betrieben, als zahlreiche Niederländer nach Emden emigrierten. Bis 1648  schickten sie sogenannte Buisen von Emden aus auf Fangreisen. Zwischen 1769 und 1858 gab es verschiedene Bemühungen erneut Heringsfischerei von Emden aus zu betreiben. Die längste Zeit bestand die Emdener Herings-Compagnie, doch Kriege und politische Veränderungen machten ihr und anderen Gesellschaften den Fortbestand unmöglich. In den Niederlanden wurden ab 1857 die schwerfälligen Buisen durch schnelle Logger ersetzt. Durch ihre hohe Geschwindigkeit konnten sie jährlich mehr Fangreisen durchführen, was die Rentabilität deutlich verbesserte. Um das niederländische Vorbild zu kopieren, wurde 1872 die Emder Heringsfischerei A.G. gegründet. Nach anfänglichen Erfolgen musste sich die Gesellschaft an den Staat wenden und war fortan während ihrer gesamten Existenz auf Subventionen angewiesen. Aufgrund der staatlichen Hilfe wurde die Heringsfischerei ein attraktiveres Geschäftsfeld, so dass in Emden weitere Gesellschaften gegründet wurden: Die Heringsfischerei "Dollart" A.G. (1899) und die "Großer Kurfürst" Heringsfischerei A.G. (1904). Im Jahr 1895 siedelte die niederländische Heringsfischerei AG "Neptun" nach Emden über. Obwohl die "Neptun" durchaus erfolgreich war, kam es zu einem jähen Ende als ein Großbrand 1914 die gesamten Landanlagen und Ausrüstung zerstörte. Davon konnte sich die Gesellschaft nicht erholen, so dass  sie am 1. Februar 1914 aufgelöst wurde. Im Ersten Weltkrieg kam die Heringsfischerei vollständig zum Erliegen. Im Anschluss konnte der Fang erst 1920 wieder aufgenommen werden. 1932 wurden, als Teil staatlicher Wirtschaftsmaßnahmen, 30 neue  Motorlogger für die deutsche Hochseeheringsfischerei gebaut. Das nationalsozialistische Regime setzte das Programm fort. Bis 1934 erhielten die Emder Heringsfischereigesellschaften durch das Neubauprogramm insgesamt 19 moderne Motorlogger. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam die Heringsfischerei erneut zum Erliegen. Viele Schiffe wurden eingezogen, um als Vorpostenboote eingesetzt zu werden. Insgesamt gingen während des Krieges 16 Emder Schiffe verloren. Im Herbst 1945 gingen die ersten drei Emder Logger wieder auf Fangreisen. Die übrigen konnten erst später wieder eingesetzt werden, weshalb die Fangquoten nur langsam wieder stiegen. Aufgrund der hohen Kosten zur Beseitigung der Kriegsfolgen  an den Landbetrieben und der Flotte wurden Sparmaßnahmen erforderlich. So ging die kleinste der Heringsfischereien "Dollart"  am 14.12. 1950 in der "Großer Kurfürst" Heringsfischerei A.G. auf. Am 6.11.1957 wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen den Heringsfischereien in Emden und Leer beschlossen. Gemeinsames sollte die veraltete Flotte modernisiert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zur Konkurrenz im Ausland zu verbessern. Trotz der Modernisierungsmaßnahmen und steigender staatlicher Subventionen kam es in den 1960er Jahren zu einem stetigen Niedergang der Loggerfischerei. Die Gründe dafür waren: Veränderung der Konsumgewohnheiten, starke Konkurrenz im Ausland, Überfischung der Nordsee, Veränderungen der Heringsschwarm-Routen, Preisverfall  und Arbeitskräftemangel. Das Zusammenspiel dieser Entwicklungen führte zu hohen Verlusten bei allen Heringsfischereien.1967 und 1968 erließ das Land Niedersachen den Gesellschaften die landesverbürgten Kredite, stellte aber alle weiteren Finanzhilfen ein. Für weitere überlebenswichtige Subventionen, mussten die Heringsfischereien nach Bremerhaven ziehen. Doch auch diese Maßnahme konnte nichts an der prekären Lage ändern. In den folgenden Jahren wurden die Heringsfischereien schrittweise aufgelöst. In einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 17.1.1975 wurde die Liquidation der verbliebenden Gesellschaften beschlossen. Die Löschung der verbliebenden Fischereien im Handelsregister des Amtsgerichts Bremerhaven folgte am 31.5.1976.

 




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