Die Leerer Heringsfischerei

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Besatzung des Leerer Heringsloggern "MARTHA" beim Netzauslegen (Quelle Foto: private Fotosammlung: Gustav Buß, Strackholt)

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert hatte es in der Stadt Leer Bestrebungen gegeben, Heringsfischereien nach niederländischem Vorbild zu errichten. Keine Unternehmung konnte sich über eine längere Zeit halten. Dies änderte sich, als im Jahr 1905 die Leerer Heringsfischerei AG gegründet wurde. Schon im darauffolgenden Jahr wurden die ersten fünf Segelloger auf Heringsfang gesandt. Doch schon neun Jahre später kam die Fischerei durch die Seeblockade des Ersten Weltkriegs zum erliegen. Erst 1920 konnten wieder elf Dampflogger zum Heringsfang ausfahren. In den 1930er waren die Fänge der Leerer Heringsfischerei zufriedenstellend, so dass die Flotte stetig ausgebaut werden konnte. Die Vegesacker Heringsfischerei wurde auf den Erfolg aufmerksam und versuchte die Gesellschaft zu übernehmen. Sie scheiterten am energischen Widerstand der Gesellschafter, darunter besonders Konsul Brouer und der damalige Direktor Johannes Seekamp.

Im Zweiten Weltkrieg gingen vier Logger verloren. Weitere fünf wurden aus Altersgründen verkauft. Zudem verlor die Fischerei Teile ihrer Gebäude, Vorräte und die ausgelagerten Netzbestände. Nach dem Krieg verfügte die Leerer Heringsfischerei noch über 19 Schiffe, die aber erst 1949 wieder vollständig einsatzbereit waren. Doch die Gesellschaft überstand auch diese Rückschläge.

Aufgrund notwendiger Rationalisierungen erfolgte ab 1957 eine zunehmend engere Zusammenarbeit mit den Emder Heringsfischereien. Die Eigenständigkeit ging schon im folgenden  Jahr verloren, als die Stadt Leer ihren Aktienanteil verkaufte. Auf der Hauptversammlung der Leerer Heringsfischerei am 6.9.1961 wurde die Umwandlung von einer A.G. in eine GmbH beschlossen.

Die Fangflotte der Heringsfischerei musste aus Kostengründen in den 1960er Jahren stetig verkleinert werden, bis 1968 nur noch sieben Schiffe übrig waren. 1969  zog die Gesellschaft nach Bremerhaven, um dort dringend benötigte Subventionen zu erhalten. Die Betriebsverlagerung zögerte den sich abzeichnenden Niedergang jedoch nur hinaus. Am 31.5.1976 erfolgte die Löschung der Leerer Heringsfischerei aus dem Bremerhavener Handelsregister. Insgesamt wurden von Leer aus zwischen 1945 und 1969 2.101 Fangreisen durchgeführt, bei denen insgesamt 1.864.892 Kantjes  (70-75kg Heringe pro Einheit) gefangen wurden.

Bis heute hat sich die Erinnerung und die Tradition der Leerer Heringsfischerei in der Stadt bewahrt. Das Heimatmuseum Leer hat einem beachtlichen Teil seiner Dauerausstellung diesem Thema gewidmet. Dort kann auch heute noch die traditionsreiche Geschichte der Leerer Heringsfischerei erlebt werden.




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